Literaturhaus-Podcast

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00:00:05: Literaturhaus

00:00:06: Bremen, der Podcast.

00:00:09: Und damit herzlich willkommen zu einer neuen Folge des Literaturhauspodcasts Bremen!

00:00:14: Zu Gast ist heute Inga Machel.

00:00:15: ich freue mich sehr dass du da bist.

00:00:17: Ich freu mich das ich eingeladen wurde

00:00:19: Denn die Büromahnen auf den Gleisen stand in dem Jahr zwanzig auf der Shortlist für den Preis der Leipziger Buchmesse und der Neuroman heißt Harte Strandparty ist im Juni bei Rohwald erschienen.

00:00:29: Du bist Autorin, Journalistin und Heilpraktikerin für Psychotherapie und ich sage deine drei Berufe weil sie vielleicht etwas damit zu tun haben könnten was dieses Buch ausmacht.

00:00:38: in harte Strandparty erzählt zu drei Geschichten von einer Kindheit in einem Ostdeutschen Dorf von einem Mann in Neuseeland und von einer Frau kurz vor ihrer Hinrichtung in Texas.

00:00:49: Die drei kennen sich nicht, sie leben auf unterschiedlichen Kontinenten.

00:00:52: Wie sind aus diesen drei Orten diese drei Figuren und drei Geschichten für dich ein Buch geworden?

00:00:57: Das ist so'n bisschen eine natürliche Entwicklung wenn ich mich für Dinge gleichzeitig interessiere.

00:01:05: Aber das war tatsächlich beim ersten Buch auch schon so Und in dem Fall gab es einerseits dieses ganze Thema rund um Erwachsen werden sogar ein Anführungszeichen dieses wie Wann fängt das an, dass man sich als Kind das Strategien entwickelt werden um mit der Umgebung klarzukommen die manchmal natürlich auch nicht unbedingt langfristig produktiv sind aber im ersten Moment gut funktionieren und diese komische Stimme in einem entsteht sozusagen nicht mehr das ganz authentische Kind ist, dass vielleicht einfach alles nach außen trägt was es in einem vorgeht oder was in ihm vorgeht sondern da irgendwas dazwischen entsteht.

00:02:00: Das Abwägen des Einschätzen und das auch Performen sozusagen und diese ganze Welt die der sich eröffnet In einem bestimmten Alter, das mir aber auch vollkommen unklar ist welches das sein soll.

00:02:16: Das hat mich interessiert.

00:02:17: Da gab es einen Text, den ich mal geschrieben habe schon während des Studiums, den Ich da immer noch liegen hatte und das hat mich nie so richtig losgelassen.

00:02:23: Und gleichzeitig gab es Einen Menschen, der nicht getroffen habe in Neuseeland als ich dann jahrlang war Der tatsächlich Paul heißt an denen ich sozusagen die Hauptfigur im zweiten Teil angelehnt habe Nicht dem Plot aber quasi Die Art of Being in Life.

00:02:45: Und als ich den kennengelernt habe, war mir klar.

00:02:48: Irgendwann muss sich was Großes über denen schreiben und ich hab dann irgendwann auch mal eine Kurzgeschichte über den geschrieben... ...und da wusste ich aber okay es war noch nicht genug.

00:02:59: Das hat sozusagen parallel dazu einfach die ganze Zeit stattgefunden.

00:03:04: Dann gab es zugleich einen Buch, das ich gelesen habe von Dennis Johnson.

00:03:08: Angels heißt das Engel auf Deutsch Und im letzten Moment dieses Buches wird jemand hingerichtet, die man immer im gesamten Buch kennenlernt und nicht unbedingt lieben lernt.

00:03:23: Beziehungsweise nicht mögen lernt aber vielleicht auch am Ende liebt und es fast nicht auszuhalten ist diese Hinrichtung mit zu erleben das aus einer Perspektive erzählt.

00:03:33: Dann fing dieses ganze Thema mit der Hinrichtungen und USA und was da eigentlich los und so etwas an und habe mich ein bisschen drauf eingelassen dieses Gefühl von, ich mag jemanden eigentlich und will aber plötzlich doch nur das Allerbeste für diese Personen.

00:03:51: Und möchte dass sie lebt und dass sie weiterlebt usw.

00:03:53: Wann verliebst du dich in deine Figuren?

00:03:56: Gibt es da bestimmte Momente?

00:03:59: Wahrscheinlich musste schon einen großen Crush haben von Anfang an!

00:04:03: Und dann intensiviert sich das einfach... Aber der Crush war wahrscheinlich schon vor Anfang an da für alle.

00:04:13: Also was auf jeden Fall ein ganz, ganz großer Wunsch war.

00:04:17: Die ganze Zeit beim Schreiben und auch schon von vornherein war dieses Gefühl oder der Wunsche für die Figuren dass die Lesenden obwohl sie vielleicht gar nicht wollen am Ende sich verliebt haben ja also in die Figur Und verlieb natürlich nicht im romantischen Sinn unbedingt wobei es natürlich auch passieren kann Aber erstmal wirklich in dem Sinn, dass du so nahe gekommen bist.

00:04:45: Dass du im Grunde erst mal für alle willst, das sie überleben oder du willst auch für alle, dass die eigentlich ein Gutsleben haben und es ihnen gut geht.

00:04:54: Und das war mein Wunsch... Ich bin ganz sicher, ob das für alle geklappt hat aber für mich hat das auf jeden Fall funktioniert beim Schreiben immer mehr verliebt sozusagen.

00:05:06: In allen drei Geschichten findest du einen andere Rhythmen, du findest andere Tempi.

00:05:11: Du findest auch einen anderen Ton der Erzählungen.

00:05:13: Also in Ostdeutschland ist es eine atemlose Inschau.

00:05:17: In Neuseeland ist das ein bildgewaltiges Road-Movie und im Text kam's mir recht dokumentarisch vor.

00:05:23: Du sitzt jetzt da und schreibst wie stellt sich das in diesen Unterschieden für dich her?

00:05:28: Es ist ein Findungsprozess auf jeden Fall.

00:05:31: also für den ersten Teil war es für mich relativ schnell klar dass das nur ne Icherzählerin sein kann weil ich glaube Schwierigkeiten... oder ich hatte das Gefühl, dass musste unmittelbar sein.

00:05:44: Und im zweiten Teil hat sich das entwickelt, weil ich ein Buch von Hania Janika Harra, Jana Gihara ... Ich weiß es gerade aber nicht.

00:05:53: Es ist innert

00:05:56: live das Buch ja?

00:05:57: Ein kleines Leben auf Deutschen

00:05:59: und fand das einfach ultrafläschig wie sie das schafft mit dem Personalen-Erzähler so nahe quasi den Figuren zu kommen und dann immer wieder ins auktoriale abzudriften, also dass du die Möglichkeit hast als lesende Person.

00:06:15: Also es wirkt so unaufdringlich im Vergleich zu einer Ich-Stimme wirklich eher so.

00:06:20: okay ich habe die Wahl ob ich da mitgehe oder nicht.

00:06:22: aber dadurch das man meint man hätte die Wahl wird man viel subtiler mit reingezogen und diese Technik fand ich krass und wollte das ganz gerne auch einfach mal ausprobieren.

00:06:32: Das war meine Lust an diesem an dieser Zielform und das mal zu testen.

00:06:39: Und im dritten Teil hat sich das viel deutlicher noch durch den Inhalt selber auch wieder für mich herausgestellt, dass du auch wenn du den gefühlt vielleicht größten Abstand hast zu einer Situation also eben was du gerade schon sagst also sachlich oder dokumentarisch oder irgendwie neutral Dass du trotzdem nicht rumkommst, mitzufühlen.

00:07:12: Ja wir können ja bei dieser dritten Geschichte mal anfangen.

00:07:14: das ist Jesse Mann die sitzt in einer Todeszelle und sie verzichtet auf den Versuch wie Erspruch einzulegen.

00:07:20: also du schreibst da sie es eine der freiwilligen aber du zeichnest eben gleichzeitig auch und dann musste ich an die Journalistin denken, die Umstände dieser sogenannten Freiwilligkeit nach.

00:07:31: Also warum ist diese Person in dieser äußeren aber auch inneren Situation wo sie sich nicht wehren kann?

00:07:40: Das liest sich für mich wie eine politische Reportage auf wenn es natürlich fiktional ist.

00:07:44: Ja, ich meine es ließ sich deswegen auch wie eine Reportage weil es ja gleichzeitig auch die Position dieser Werterin Conny Myers die quasi das Gegenüber, das direkte Gegenüber von Jesse Mann in diesem Text ist mit transportiert.

00:08:02: Also da gibt's sozusagen die ganze Zeit ne gewisse... Form oder ein gewisses Ausmaß an Spiegelung zwischen diesen beiden Figuren.

00:08:12: Und Conny Meyers wiederum hat die Aufgabe und das gibt es tatsächlich in einigen Bundesstaaten, in den USA als Auflage, als gesetzlich festgelegt dass du, dass die letzten vierzehnzig Stunden oder ich glaube achtundvierzig Stunden zu Tode verurteiten und die dann quasi hingerichtet werden, die letzten vierundzwanzig oder achtundvierzig Stunden minutiös aufgezeichnet werden müssen.

00:08:40: Also wirklich alles was da passiert, alles was sich bewegt und regt getan oder gesagt wird.

00:08:46: Und diese Aufgabe hat also Conny Meyers und um quasi in dieser Form von Aufgabe oder um das spürerzumachen bin ich auch aus ihrer Perspektive oder sehr nah an ihr dran in dieser berichtenden, dokumentierenden Erzählstimme drin.

00:09:08: Obwohl es natürlich immer wieder abrutscht ins Vollkommen fast schon so real subjektive.

00:09:20: Konny Meyers aus der Anfiziativen, du schreibst dich demnach, wieso das Ganze nicht wirklich begreifend oder nicht richtig fassend gegenüber identifiziert sich auch ein Teil mit ihrem Gegenüber die dann hingerichtet werden ... soll, was die beiden so gemeinsam haben ist dieses Gefühl, dass sie irgendwie, das es falsch is', was passiert.

00:09:40: Und dass sie vielleicht auch falsch sind... Das kann mir bei allen deinen Figuren so vor und das wäre jetzt vielleicht eine Frage an die Psychologin.

00:09:47: also welche Freiheit haben diese Figuren denn?

00:09:50: Also was Sie haben, ist der der unbedingte Reflex irgendwie zu überleben.

00:09:55: Das ist glaube ich das was mich auch viel mehr beschäftigt hat.

00:09:59: oder was heißt Reflex menschliche menschliches Design weiterzumachen und Wege zu finden, in irgendeiner Weise klarzukommen.

00:10:14: Das machen die Figuren in den verschiedenen Textteilen auf unterschiedliche Weise aber immer irgendwie mit einem ähnlichen Drive würde ich sagen.

00:10:24: Ich habe das Gefühl es gab auch beim Schreiben dieses schöne... ist so passiert, das habe ich mir nicht extra vorgenommen.

00:10:31: Aber dass die immer wieder in Momenten dieselben Gefühle hatten ja also dieselben dieselben durch dieselbe Emotionen gegangen sind oder mit den selben Emotions konfrontiert sind und aber unterschiedliche Umgangsweisen damit finden.

00:10:47: Diese leben ja alle in wirklich nicht gleich furchtbaren, aber alle in furchtsbaren Umständen?

00:10:53: Na das weiß ich immer gar nicht!

00:10:54: Das ist ganz offen, du hast jetzt auch gesagt abgründig und so.

00:10:59: Rand der Gesellschaft.

00:11:02: Also klar, das steht ja auch auf dem Klappentext aber dann ist das mit dem Rand der Gesellschaft im zweiten Teil.

00:11:09: Das trifft es einfach zu.

00:11:13: Aber ich finde dass das nicht so... Ich kann das irgendwie, ich habe Schwierigkeiten das so richtig qualifizieren.

00:11:25: Und gerade auch um den dritten Teil.

00:11:27: gut jetzt hat man natürlich dort eine.

00:11:32: Es ist auf jeden Fall eine extreme Zuspitzung, aber auf jeden fall nicht was seltenes.

00:11:38: Nicht irgendwas das es nur ab und an gibt oder sowas.

00:11:41: Und genauso ist Vernachlässigung von Kindern glaube ich kein sehr abwegiges Thema wie im ersten Teil oder Substanzkonsum und Gewaltbereitschaft wie im zweiten Teil als Umgangs... Weiße oder selbst Ermächtigung oder sowas.

00:12:02: Also ich hab irgendwie Probleme damit, das als so extrem extreme mal so einzustufen ehrlich gesagt auch wenn ich weiß dass es natürlich Menschen gibt die es... extrem gut haben und viel besser haben.

00:12:20: aber ich glaube nicht dass das irgendwie der Mainstream ist ehrlich gesagt.

00:12:24: Genau also die Umstände sind ja konkret.

00:12:27: Also der eine Person ist jemand, der mit Substanzen handelt, der in Büro kommt, der auch mit dem Tod in Bürogen kommt und viel Gewalt lebt.

00:12:37: Und die dritte Person ...

00:12:39: In einer komplett organisierten Gesellschaft lebt?

00:12:43: Genau!

00:12:44: Die dritte Personen sitzen eben in der Todeszelle für über zwanzig Jahre.

00:12:48: Manche sagen doch durchaus einschränkende Lebensumständen, die natürlich ...

00:12:55: Ja, okay sage ich mit.

00:12:56: Auf jeden Fall!

00:12:58: Da kann man ja natürlich nicht viel machen.

00:12:59: also in der Todeszelle ist wahrscheinlich eine der Orte auf der Erde wo sozusagen meine Selbstwirksamkeit doch wirklich aus eingeschränkt ist.

00:13:06: und ich habe mich da eben gefragt genau sie entwickeln einen und dadurch entwickelt deine Geschichte auch ein Torn-Drive.

00:13:10: Sie entwickeln ein Drive zu überleben.

00:13:13: aber die die Wahlmöglichkeiten?

00:13:15: Nur im Inneren statt.

00:13:17: Ich glaube du hast ganz genauso gut im inneren rumhöhlen und solche Sachen finden.

00:13:22: Und irgendwie in einem Reihenhaus, weiß ich nicht, Britz oder so sein?

00:13:27: Das ist eigentlich ganz interessant warum ich nicht im Reihenhaus gelandet bin.

00:13:31: Wahrscheinlich auch zufällig!

00:13:34: Also eben wenn ich dir erzählt habe wie sozusagen die drei Interessengebiete zustande gekommen sind... Ich meine sonst wäre ich niemals auf dieses ganze Neuseeland-Authedora-Setting gekommen, wenn ich nicht wirklich selber da gewesen wäre und diese eine Person getroffen hätte.

00:13:53: Und die gibt es sozusagen in ihrer Art des Weltzugriffs.

00:13:57: Genauso wie dieser Übergang vom Kindsein zum Erwachsenen leben glaube ich wirklich viele Leute an crazy Zeit war die ich selber natürlich auch erlebt habe, die jeder erlebt hat der quasi jetzt älter als zwölf ist und deswegen relativ relatable ist.

00:14:21: Und dann der dritte Teil durch dieses Buchanstand.

00:14:22: also es sind sozusagen keine... Es ist nicht irgendwie so ein extra Wunsch von mir immer in bestimmte Milieus rein zu gucken.

00:14:34: Es passiert mir das vielleicht auch ohne dass mir das so klar ist, haben oder nicht tun, kennen weiß ich nicht genau.

00:14:47: Mir kommt das ganz natürlich vor.

00:14:50: Hilft ihr das beim schreiben?

00:14:53: Also macht es das praktisch einfacher dass es sehr... Das ist zumindest von einem Rheinhaus in Britz gesehen doch extremer ist.

00:15:02: Ja vielleicht schon.

00:15:02: ja vielleicht geht es schon eine habe ich schon so einen leichten Hang zur Zuspitzung.

00:15:10: Das kann... oder einen starken Hang zur Zuspitzungen, das kann sein!

00:15:15: Oder auch einfach keine... vielleicht ein bisschen Angst befreit?

00:15:18: Kann auch sein.

00:15:21: Ja, ich bin nicht ganz sicher was damit auf sich hat.

00:15:23: Tatsächlich gab es ja auch irgendwie eine Rezension die das ja kritisch aufgegriffen hatte und irgendwie meinte sich Grenze an Fetischisierung oder sowas wäre natürlich übel als Gedanken, als Vorstellung.

00:15:37: Für mich ist da irgendwie die Grenze zwischen ... dem normalen und dann dem extremen.

00:15:43: Man scheint irgendwie derartig verwischt, dass ich das nicht so richtig mehr wahrnehmen kann muss ich sagen, da muss ich wirklich zugeben ist.

00:15:52: Vielleicht war ich mich sehr viel mit bestimmten den Beschäftigen einfach und was für mich schon normal ist.

00:15:58: Du schreibst ja vielleicht aus ein bisschen Gegenden Trend eben nicht autofiktional.

00:16:02: die drei Figuren Linda Pauli und Jessie sagst du im Nachwalt auch selbst sind eben nicht Teil deiner eigenen Erfahrungswelt.

00:16:10: Wie gießt denn vor?

00:16:11: Ich glaube, es ist tatsächlich gar kein Erschließungshaus.

00:16:15: Es ist so ein hingezogen Fühlen und der Wunsch dem auch nah zu kommen also gerade auch dem nachzukommen das vielleicht zu wenig Aufmerksamkeit bekommt oder bekommen hat erst mal so thematisch aber auch wirklich den Menschen oder den Figuren sozusagen nahe kommt zu wollen entsteht, automatisch dieser Wunsch darüber zu schreiben.

00:16:45: Also wirklich ist glaube ich auch ein Beziehungswunsch zu diesen Existenzen und auch zu diesen Menschen die vielleicht häufig ausgeschlossen werden und disqualifiziert werden und weniger Chancen haben oder schnellstyrithymisiert werden usw.. Also ich glaube, dass dann vielleicht sogar fast noch so ein kleines Helfer-Syndrom.

00:17:17: Aber ... Ich darf aber eigentlich eher wirklich einen Hingezogen sein.

00:17:25: Gleichzeitig präzisierst du ja auch im Nachhaut interessanterweise, dass du gerade nicht für andere sprechen willst?

00:17:31: Also nicht als Romanautorin weißt du so... Das ist ein Roman auf meinem absolut subjektiven Mist gewachsen.

00:17:42: Mein Versuch eben diesen Figuren nahezukommen, meinen Versuch darüber zu sprechen und nachzudenken.

00:17:51: Aber es ist definitiv nicht als irgendeine Form von Sprachrohr oder Aufklärungsarbeit oder sowas gedacht gewesen – zu keinem Zeitpunkt!

00:18:04: Und das ist mir aber auch erst deswegen quasi nicht ein Vorwort sondern ein Nachwert.

00:18:09: Das ist mir tatsächlich selber erst beim Schreiben und richtig im vollen Ausmaß erst nach dem Schreiben klar geworden, dass das aber so lesbar wäre.

00:18:19: Und es gab zum Beispiel einen füchterlichen Satz, der da kurzzeitig mal fast in der Vorschau und dann auch auf den Klappentex gestanden hätte, da hätte dann gestanden Demaori mit einer Leiche und einem Haufen Drogen im Gepäck also quasi die so klischeehaft destruktiv man es sich eigentlich nur vorstellen kann, wenn man sich in die Lage von wirklich Maurikultur in Neuseeland hineinversetzt wo diese Diskriminierung und Rassismus einfach ein absolut gegenwärtiges Thema sind.

00:19:00: Und quasi jeder Zweite der da eine andere Hautfarbe hat so abgestempelt wird als wäre er natürlich auch noch kriminell und hätte dann auch die gleiche.

00:19:11: Und das ist mir aber tatsächlich erst, also auch die Gefahr darin so einen Plot irgendwie zu entwickeln mit dieser Hauptfigur Paul.

00:19:23: Das ist mir quasi erst im Nachgang richtig bewusst geworden und deswegen wollte ich da eine bestimmte Lesart verbieten und ausschließen.

00:19:31: Gibt es im Schreiben etwas was du machst um das zu verhindern?

00:19:34: Abgesehen davon dass es ein Disclaimer gibt das muss nicht so lesen sollte

00:19:38: Ja, halt durchdrehen.

00:19:41: Also sich komplett einfach der Verzweiflung zum Teil natürlich auch übergeben und die Grenzen und den Respekt und die Achtsamkeit und alles Erdenkliche versuchen permanent am Laufen zu haben während man spricht Und auch erzählt und Geschichten erzählt.

00:20:07: Also das ist auf jeden Fall ein Prozess des sehr hart mit sich selber auch seins und mit den ganzen Bildern, vorgefertigten Bildern.

00:20:24: Schnell entstehenden Bildern die dann alle so wie man einfach hat und schnell bekommt wenn man über andere Menschen spricht oder liest, oder hört.

00:20:36: Man ist einfach immer dann doch man selbst und fängt an die anderen Menschen zu kategorisieren oder zu irgendwie festzuhalten oder einzufangen und dabei in den meisten Fällen auch wirklich kleiner zu machen oder irgendwie anders ihnen nicht wirklich gerecht zu werden.

00:20:56: aber da kommst du sowieso nicht raus das ist eh klar.

00:20:58: also ich habe jetzt nicht das Gefühl dass mir das jetzt perfekt gelungen wäre mit diesem Buch Aber der Versuch ist auf jeden Fall enorm groß gewesen.

00:21:09: Und trotzdem war mir wichtig, das nochmal im Nachwort quasi als Intention irgendwie festzuhalten.

00:21:17: Schreibst du schnell und guckst es dann noch mal an oder wie machst du das?

00:21:22: Ganz verschieden wirklich ganz ganz verschieden.

00:21:24: Der zweite Teil hat sich schön schnell geschrieben so wie er glaube ich auch im besten Verließt.

00:21:32: aber Also ich lese mir die ganze Zeit vor beim Schreiben, das ist für mich auch ein super irgendwie klanglicher Prozess.

00:21:41: Deswegen ist es nicht dieses wahnsinnige Runterschreiben.

00:21:46: also ich weiß ich nicht das schnellste was ich vielleicht schreibe sind so drei Seiten drei vier Seiten am Tag.

00:21:52: aber bei dem ersten und Dritten Teil war es auch noch mal ganz anders.

00:21:56: Den ersten Teil habe ich super, da ging das so die Geltzeit sofort zurück, weil's mir so schwer gefallen ist als mittlerweile vierzigjährige Person reinzukommen in diese Welt, in der sich Linda befindet, die definitiv sich Erwachsener fühlt, als sie ist aber auch nicht erwachsen ist und irgendwie da die Stimme zu finden in ihre Gedankenwerte zu finden, war ein sehr langwieriger und auch unangenehmer Prozess.

00:22:35: Beim dritten Teil gab es viel mehr strategische Erwägungen.

00:22:43: Wann streust du welche Informationen?

00:22:46: Ohne dass das belernt wird, ohne dass das wirkt als ein Vortrag über die Todesstrafe... dir gehalten oder irgendwas so in der Richtung.

00:22:54: Und dann natürlich auch immer die Frage, wie tief gehe ich jetzt?

00:22:57: In welche Figur?

00:23:01: das ist ja quasi bei dem dritten Teil auch schon weg zu spielen.

00:23:03: Das war ein deutlich more thoughtful process I would say im dritten Fall und im zweiten Fall war es auf jeden Fall so, als hätte ich mich neben Paul ins Auto gesetzt und wäre einfach mitgefahren.

00:23:18: Also das ging deutlich leichter von der Hand.

00:23:22: Das in dem Buch immer wieder passiert ist, dass die Welt lebendig wird und ganz besonders wird ein Messer lebendige.

00:23:27: Dass auch alle drei Figuren verbindet.

00:23:33: wie das Messer bei dir im Schreiben aufgetaucht?

00:23:36: Ja, es ist tatsächlich mit Linda aufgetauscht, ein Stück weit also.

00:23:43: was ich schon gesagt habe war, dass es ja diesen schon so einen Stückchen Text gab dass ich mal irgendwie während des Studiums geschrieben habe, an dem ich mich so ein bisschen festgeklammert habe als etwas wo ich selber nicht verstanden hab was ich da eigentlich geschrieben habe und hatte.

00:23:55: so wow!

00:23:57: Wo warst du da?

00:23:58: Und da war ich sozusagen... Habe ich schonmal so Linder quasi aus der Linderperspektive geschrieben.

00:24:07: Und war mir aber nicht ganz klar was ich dann eigentlich gemacht habe.

00:24:09: Das hat mich nicht losgelassen und dieses Buch das war damals meine Diplomarbeit für den Studiengang Kreatives Schreiben In Hildesheim kreative Schreiben studiert.

00:24:21: Und da wollte ich, dass davor steht... Dieses Buch ist ein Messer!

00:24:28: Meine Vision sollte unbedingt da so stehen und da kam das Messer sozusagen zusammen mit diesem Textbaustein irgendwie rein in meinen Kopf.

00:24:43: Dass sich dann durch alle drei Geschichten ziehen würde war nicht von Anfang an geplant sondern es tatsächlich beim Schreiben passiert.

00:24:51: Haben die eine Macht darüber oder hat das Messer die Macht über sie?

00:24:56: Ich glaube, dass ist der ganz große Wunsch Verantwortung abzugeben in diesem Überleben-Wissenprozess.

00:25:13: Der Fokus für mich war ja dieses Wie kommen Wie kommen die Menschen weiter?

00:25:18: Wie kommen sie klar, wie machen die weiter.

00:25:21: Und ich glaube ein ganz großer Schlüssel auch für alle Menschen ist es eine gewisse Form von oder einen ganz großen Reflexes der Entlastung, der Stressentlastung.

00:25:32: sozusagen ist das Verantwortung abzugeben.

00:25:36: Also ich glaube wir befinden uns ja eigentlich momentan in einer Gesellschaft wo das irgendwie das größte ist wenn man sich die ganze Zeit macht und Und das ist aber, glaube ich wirklich eine Strategie der Selbstentlastung einfach.

00:25:53: Auch wenn es jetzt abgehoben klingt so ein bisschen dass sich selber überlassen einer größeren Kraft, ja jetzt ist es normalerweise vielleicht Gott oder irgendeine andere spirituelle Größe oder sowas die Menschen dafür geeignet halten.

00:26:13: Aber in dem Fall Dann anscheinend eher das Messer, aber bis hin zu Jessie, die ja bis zum Schluss nicht ganz sicher ist ob sie das überhaupt war oder eben das Messers.

00:26:30: Also ich glaube wirklich... Die

00:26:32: ihre Stiefeltern erstocken hat?

00:26:36: Genau!

00:26:38: Der Nied.

00:26:40: nicht allein zu sein mit dem Ganzen und das zu teilen und abzugeben ist glaube ich ungeheuer groß Im Mensch sein.

00:26:49: Schreibst du an einem neuen Buch gerade?

00:26:54: Innerlich, aber noch nicht real.

00:26:56: Ich bin gerade in so einer krassen Transit-Situation hier und das ist im Grunde auch.

00:27:03: wäre auch das Thema Auflösung, vor allem auf Lösungen von Bildern Vorstellungen, wie Dinge zu sein haben.

00:27:12: Aber dadurch dass ich mich selber in einer faktischen Auflösung Situation befinde, dann habe ich jetzt irgendwie nicht so dieses ... diese Struktur gerade und die ich auf jeden Fall brauche zum Schreiben.

00:27:23: Also so... Nicht auf dich hinsetzen und Arbeitszeit.

00:27:29: Und klar kommen jetzt Ideen und Gedanken zusammen aber nichts Richtiges handfestes jetzt auf dem Papier oder auf dem Computer oder sowas.

00:27:38: Aber das kommt bestimmt.

00:27:40: Du reißt gerade durch Kanada.

00:27:41: Ich bin hier erst mal angekommen vor ein paar Tagen und bin hier noch so ein bisschen so family live machten und die Leute hier kennenlernen, ich war noch nicht hier und muss jetzt erstmal in meinem Neffen angeheiratet im Neffen kennen lernen.

00:27:53: aber dann wollen wir auf jeden Fall auch ein bisschen unterwegs sein und dann tatsächlich in Neuseeland Paul besuchen der dem das gesundheitlich nicht so gut geht und dann wollen wieder nochmal hin und irgendwie ein paar Freunde treffen und dann gucken wo das alles hinführt.

00:28:10: Ja, es ist ein bisschen aufregend aber auch gut sehr gut.

00:28:16: Jedenfalls ist dein Buch eine gute Gelegenheit sich große Fragen zu stellen.

00:28:22: Stimmt vielleicht ja

00:28:23: Enger-Mache harte Strandparty bei Robert Eschien hat zweihundertzwanzig sehr schnell lesbare Seiten.

00:28:30: lieber Enger vielen Dank für dieses schöne Gespräch.

00:28:33: ich danke dir.

00:28:38: das war Literaturhaus Bremen der Podcast.

Über diesen Podcast

Der Podcast, der das literarische Leben in Bremen und dessen Vielfalt anschaulich, nachvollziehbar, erlebbar macht. Die Stadt hat in den vergangenen Jahren viel erreicht und ist zum Freihafen des literarischen Wortes avanciert, in dem Diversität den Ton angibt. Dazu gehören nicht nur AutorInnen, sondern auch die unterschiedlichsten Lesegenerationen, die BuchhändlerInnen der Stadt, die Verlage sowie sämtliche Einrichtungen, die sich die Vermittlung literarischer Inhalte, Themen und Ausdrucksformen zur Aufgabe setzen. Wir wollen zeigen, dass all die genannten Perspektiven zusammengenommen und für Diversität, Austausch und Diskurs stehen. In einem lockeren Gesprächsformat, offen, persönlich und neugierig auf die Vielfalt des Literaturbetriebs.

von und mit Literaturhaus Bremen

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