Literaturhaus-Podcast

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00:00:05:

00:00:09: Hallo und herzlich willkommen zur neuen Folge des Literaturhaus-Podcasts, diesmal mit Frieda Ahrens.

00:00:14: Und zu Gast in dieser Folge ist Alisha Garmisch.

00:00:16: Hallo, Alisha!

00:00:18: Hallo, ich bin sehr froh hier zu sein.

00:00:20: Schön für alle die uns zuhören erkläre ich noch ein bisschen wer du bist.

00:00:23: Ich habe mich ein bisschen schlau gemacht und wenn ich dabei Fehler mache dann darfst Du bitte bitte direkt rein grätschen.

00:00:30: Mach' ich.

00:00:31: Super.

00:00:31: Du bist freie Autorin und Kuratorin Und du schreibst schon ganz lange Texte für verschiedene Magazine.

00:00:36: In den Jahren ist es ein erstes Gedichtband, Lustdorf und in dem Jahr die Büro-Mann.

00:00:44: Also dein Büro mein erster Roman Parasiti.

00:00:49: Du schreibts nicht nur, wie ich gerade gesagt habe, sondern auch Kuratoren.

00:00:53: Du kuratierst und engagierst dich.

00:00:55: Du organisierst die Lesungs- und Diskussionsreihe Post Ost Café, die im Maxim Gorky Theater in Berlin stattfindet Und von da, nehm ich einen bist du auch zugeschaltet.

00:01:04: Da lebst du in Berlin?

00:01:06: Ja!

00:01:07: Heute wollen wir aber über ein ganz neues Projekt sprechen und zwar hast du letztes Jahr zu zweit im Film umgebracht.

00:01:15: Es gibt ja schon die Idee, auf Lesereihe zu gehen oder gemeinschaftlichen Buch raufzubringen.

00:01:20: Wo ist denn der Unterschied zu euch?

00:01:22: Wahrscheinlich dass es dann eher eine Performance ist der All ganze Abend?

00:01:26: Genau, das ist sehr üblich gerade bei Sachbüchern oder so ja wissenschaftlichen, oder populärwissenschaftliche Sachen.

00:01:38: Ich glaube genau bei uns schon... Also wir haben im Grunde eine richtige Show mit der wir auch auftreten und wir haben natürlich versucht auch Elemente aus der Popkultur, aus dem Musikbusiness zu übernehmen und damit aufzuspielen.

00:01:57: Und ich glaube es ist einfach eine große Ein großer Wunsch nach gemeinsam Spaß haben da gewesen.

00:02:07: Und vielleicht auch Sachen zu trauen, die man sonst nicht so üblicherweise im Literaturbetrieb hat und zwar ganz wichtig dass wir irgendwie sowas wie Choreos Tanz mit drin haben.

00:02:20: Die Bühne nochmal ernster nehmen als Ort wo man sich nicht einfach nur hinsetzt und mal sein Text runter liest sondern wirklich auch sich Gedanken zu machen.

00:02:29: Wie kann man auch einfach als Autor in diese Bühne mehr nutzen und da mit spielen?

00:02:37: Ist das auch ein Versuch, so'n bisschen der Literatur-Szene oder dem, sagen wir mal, die Eventlesung einen neuen Anstrich zu geben.

00:02:47: Also niedrigschwellige oder so'nn bisschen spaßiger einfach?

00:02:51: Ja auf jeden Fall!

00:02:54: Einladender war auf jeden Fall so ein Aspekt, den wir richtig Lust darauf hatten.

00:02:59: Ich glaube es kam viel auch einfach weil wir selber drauf Lust hatten und ich glaube das geht gar nicht allen im Literaturbetrieb so dass sie so mega Bock auf Bühne und noch mehr Bühnen haben.

00:03:11: aber wir hatten auf jeden fall Lust darauf.

00:03:14: Genau, natürlich gibt es dieses Klischee von der Wasserklaslesung wo irgendwie so ein ganz elitäres Publikum oder eine elitäre Veranstaltung wurde das Publikums vielleicht auch ein sehr bügerliches Zielpublikum da ist und wir hatten schon auch Lust so vielleicht ein bisschen jüngeres Publikium zu erreichen.

00:03:34: Und natürlich einerseits unsere Piers weil wir alle Millionäris fast sind.

00:03:40: Raphael ist vielleicht noch an der Grenze zu Gen Zee und gleichzeitig gibt es ja auch diesen Trend, dass diese Nuller Jahre und die Neunziger wieder aufgerollt werden.

00:03:50: Die Mode kommt zurück.

00:03:52: Es ist irgendwie was womit sich auch die neue Generation beschäftigt.

00:03:55: Die Hits sind so wie so Classics, die auch auf Gen Zie Partys gespielt werden und so.

00:04:02: Deswegen fanden wir das auch total spannend bis ich jetzt in unseren Dreißigern wieder mit unserer Zeit der Jugend zu beschäftigen und dann zu gucken, wo gibt es vielleicht auch Überschneidungen zur heutigen Jugendkultur?

00:04:13: Und gleichzeitig schon auch mit diesem erwachsenen Blick draufschauen zu können.

00:04:18: Das sind alles Aspekte die wir... mit einen Fließen haben lassen.

00:04:23: Und es war schon auch spannend, gerade so aus feministischer Perspektive haben wir uns ja jetzt auch tatsächlich mit dem Phänomen Girlband auseinandergesetzt das ja grade in den neunziger Jahren entstanden ist und das eben noch mal aus heutiger Perspektiv anzugucken ist.

00:04:40: unser inhaltliches Thema würde ich sagen

00:04:44: Du hast es grad schon gesagt ihr blickt also es gibt ja auch dieses kleine Büchlein.

00:04:48: Also es gibt ja nicht nur die Performance, es gibt dieses Büchlein dazu.

00:04:53: Ist das quasi die Performance textualisiert oder runtergeschrieben so ein bisschen?

00:04:59: Oder Aspekte davon?

00:05:01: Ja wir hatten das Glück dass wir Lena Brash als Dramatur-Regisseurinnen mit an Bord holen konnten und mit ihr zusammen haben wir dann eben auch eine Textversion entwickelt.

00:05:14: also jede von uns hat einen Text mit reinfließen lassen und wir haben daraus dann aber einen gemeinsamen Text entworfen.

00:05:21: Und das ist jetzt so eine reduzierte Bühnenversion, würde ich sagen also es sind ein paar Teile die auf der Bühne mitperfompt werden sind rausgeflogen weil wir eben nur eine bestimmte Seitenanzahl drucken durften.

00:05:37: Aber genauso im Großen und Ganzen die Version oder der Text, der dann auch auf der Bühne performt wird.

00:05:44: Was natürlich nicht mit drin ist, das ist dann die Inszenierung und was vielleicht noch zu viel Sicht dazu kommt.

00:05:50: Ja ich hoffe dass die Texte auch so Spaß machen.

00:05:52: aber genau das was uns auf jeden Fall in der Performance macht sieht man dann vielleicht eher auf der bühne Und da erlebt man dann natürlich auch noch mehr Linas Einfluss, mit der ja nicht zu gering ist.

00:06:06: Und noch die Choreografie zum Beispiel, die Joanna Tischkau entworfen hat.

00:06:11: Also wir hatten auch viele Leute, also tolle Menschen, die mit uns dann noch mitgewirkt haben, wo wir auch sehr dankbar für sind.

00:06:19: So viel Leipold hatte, das Bühnenbild und die Kostüme und so was entwickelt.

00:06:22: Wir waren dann schon eine richtige Theaterproduktion am Ende, was wir auch gar nicht so erwartet hatten.

00:06:27: Aber wenn man einmal anfängt sich zu öffnen, kommen natürlich bestimmte Elemente wie Musik werden.

00:06:35: Auch jemanden der Hintergrundmusik entworfen hat.

00:06:38: oder jemand, der uns ein Song geschrieben hat und mein Bruder hat dann mit uns das alles aufgenommen.

00:06:43: Also ja wir haben schon viel kooperiert auch.

00:06:48: Das hört sich ja auch danach an wie so'n... Nicht nur so eine theoretische Auseinandersetzung mit dem Thema, sondern auch eine ganz praktische die dann noch mal ein Praktisches erleben hat von was du sagst.

00:07:00: Was gehört da eigentlich alles zu und was für ein immenser Aufwand ist es eigentlich ne Band zu sein?

00:07:06: Und im Vergleich dazu wie wenig ernst genommen wurden dann Girlbands in den zwei tausenden an obwohl das ja so nicht nur Vermarktung und so ein kapitalistischer Gedanke dahinter steckt von wie können sie möglichst viel Geld machen.

00:07:20: Und dadurch allein eigentlich schon ernst zu nehmen, sondern auch das Talent und der Aufwand dahinter.

00:07:27: sozusagen ich in dem Buch also in diesem Häftchen ist es ja so ein bisschen ihr habt euch jeder eine Band rausgesucht mit der ihr euch so ein bißchen auseinandersetztes Tiktok Tour die Spice Girls und Destiny's Child in dieser Auseinandersetzung mit den Bands.

00:07:43: Wie blickst du denn jetzt irgendwie anders als vorher auf die Bands?

00:07:47: Ist es eher, denkst du eigentlich waren das schon coole Vorbilder damals oder auch noch mal mehr als damals?

00:07:54: oder ist es auch eher dass du denkst war schon die Hölle damals mit denen irgendwie aufzuwechseln?

00:08:01: Nee, also ich glaube wir hatten alle drei gemerkt wie viel Misogynie auch in den Bildern steckt die man damit mit diesen Bands verknüpft.

00:08:11: Ich glaub für uns alle drei waren diese Bands super wichtig!

00:08:15: Also... Auch gar nicht unbedingt nur die Band die wir dann vorgestellt haben oder die wir uns denn ausgesucht haben aber eigentlich überhaupt dieses Phänomen Girlband das hat schon eine massive Veränderung gebracht, dass bei dem Falle der Spice Girl zu dieser Slogan-Girlpower so vermarktungsfähig irgendwie breit in jegliche Kleinstadt von Hintertupfingen gekommen ist.

00:08:43: Das wäre jetzt in einer Subzene gar nicht unbedingt so passiert.

00:08:46: also dadurch gerade auch weil sie diese große Reichweite hatten und das wofür sie dann auch viel kritisiert wurden, dass sie so Feminismus kapitalistischem System vermarktet haben.

00:08:58: Aber dadurch hat es natürlich auch ganz viele Leute unter anderem jetzt mich, die ich eher auf dem Land aufgewachsen bin in vielleicht eher konservativen Kreisen, dass das dann trotzdem irgendwie was mit einem gemacht hat diese Energie zu spüren, die dann auch von denen aus ging und vielleicht auch bestimmte Weiblichkeitsbilder auf jeden Fall über einen Haufen geworfen haben.

00:09:19: Auch wenn sie natürlich alle wunderschönen waren nur so.

00:09:24: aber diese Selbstbestimmtheit kam auf jeden fall an.

00:09:27: Und auch in der Recherche jetzt in meinem Fall und ich glaube den anderen beiden gings auch so sind wir schon darauf gestoßen wie viel eigentlich diese Band selbst mitgestaltet haben Wie viele Talente steckte wie viel eigentlich Eigenverantwortung und Mitgestaltung dabei war.

00:09:47: Und natürlich aber dann auch die mediale Berichterstattung, die genau das Gegenteil behauptet hat extrem negativ teilweise alles dargestellt hat.

00:09:59: Also das fand ich schon spannend, es nochmal so nach hinein zu recherchieren und gleichzeitig kann man auch auf ganz viele schöne Dinge also so Interviews jetzt mit den Spice Girls zum Beispiel die man noch aus heute gucken kann machen total viel Spaß weil sie einfach super rotzig frech sind, super liebevoll miteinander, auch lustig und einfach dieses Idee von Schwestern schafft die ja einfach ganz viel stärker übergebracht hat.

00:10:26: In der Zeit wo halt Körperbilder, also so diese... Also es gab einfach krasse Übergriffe in der Zeit auch die ja heute erst so aufgearbeitet werden und die Verfügbarkeit von weiblichen Körpern und dass dann so die Idee war hey wir nehmen das Sex in die Hand!

00:10:40: Wir können uns präsentieren wie wir wollen auch wenn wir sexy sind

00:10:42: usw.,

00:10:43: aber das ist unsere Körper und wir stellen uns so da wie wir.

00:10:49: irgendwie spannend und das gilt eigentlich für alle drei Bands.

00:10:53: Bei Tiktoktur kommt vielleicht noch dazu, dass sie auch einfach eine deutsche Band sind und drei schwarze Frauen wie was zu der Zeit damals halt auch ziemlich neu war, dass das so selbstverständlich deutsche schwarzen Frauen Erfolg hatten Genau, und dementsprechend hämisch und abwertend und rassistisch und sexistisch war dann halt auch die Art wie mit ihnen umgegangen wurde.

00:11:21: Und das ist schon eine krasse Hölle.

00:11:23: also auch die ganzen Körperbilder mit denen wir aufgewachsen sind.

00:11:26: Das dem waren natürlich diese Frauen auch ausgeliefert und ja das versteht man dann vielleicht erst wenn man dann aus heutiger Sicht darauf blickt.

00:11:34: Ich finde es auch spannend zu betrachten, weil ich finde das wird gerade in der Popkultur – gar nicht in der popkultur aber auch vielleicht in der neuen Literatur mehr zum Thema und vorher hat mir das auf jeden Fall so ein bisschen gefehlt dieses wie Mädchen in der Pubertät oder weiblich sozialisierte junge Frauen in der pubertät so miteinander sind.

00:11:53: Und wie gewaltvoll sie teilweise einfach miteinander.

00:12:00: Also trotz Freundschaft, trotz auch viel Liebe vom Samften.

00:12:02: Aber auch weil du gerade Tic-Tac-Toe angesprochen hast ja auch sehr gegen Schwester ist zum Beispiel geschossen.

00:12:08: also da gab es so eine andere schwarze Frau die erfolgreich war und dann wurde gegeneinander geschossen.

00:12:14: Es ist ja schon... Und auch die Bands untereinander wohnen oft in Konkurrenz zueinander gesetzt.

00:12:24: Das da ja auch viel drinsteckt.

00:12:26: dieses intrinsische Müsengühne.

00:12:29: Ich muss irgendwie besser sein als die anderen.

00:12:32: Also ich hab mich die ganze Zeit gefragt, ob Girlbands das ... Ob sie das aufgelist haben durch diese Schwesternschaft oder ob Sie das auch ein bisschen befeuert haben?

00:12:40: Also ist das ja so ... Man, ich blicke da irgendwie sehr nostalgisch und dann doch schön drauf und irgendwie denke ich mir so aber so richtig!

00:12:49: Ja voll.

00:12:50: also ich glaube es kann man nicht so pauschal beantworten.

00:12:55: Grundsätzlich würde ich sagen, also so das was überwiegt war schon aus meiner Sicht eher die Solidarität.

00:13:05: Also genau dass diese Fälle gab es mit Schwester ist aber sonst... Also jetzt gerade im Fall von Tic Tac To hatten sie irgendwie so wenig Reibung nach außen zumindest so.

00:13:16: Aber das ist vielleicht etwas was dann auch Paula noch besser beantworten kann.

00:13:21: Ich weiß zum Beispiel, dass die Spice Girls super Wertschätzen von anderen Girlbands erzählen.

00:13:25: Also so... Zum Beispiel erwähnen sie auch Tiktaktur was total lustig ist.

00:13:29: Da gibt's eine deutsche Girlband, die jetzt gerade so haben kommen.

00:13:34: Die waren ja diese Erfolgskursen von diesen Bands im Destiny's Child ist ne Ausnahme aber die waren halt extrem kurz also so.

00:13:43: Die Spice girls waren irgendwie zwei Jahre nur im Grunde oder zweieinhalb.

00:13:47: Das ist

00:13:47: Wahnsinn!

00:13:48: Auch wie viel Sie geprägt haben Ja,

00:13:52: und dadurch trotzdem so eine krasse Wucht hatten.

00:13:54: Und ihnen wurde ja auch ganz viel vorgeworfen, dass sie nichts können usw.

00:13:59: Es ist halt irgendwie schon krass!

00:14:00: Das war wirklich total ähnlich.

00:14:02: Paula schreibt in einem ihrer Texte, sag ich mal, Vulgea und unter aller Sau so gesellschaftlich eigentlich so wahrgenommen wurden.

00:14:15: Dass sie überhaupt nicht ... Ja, es waren eigentlich so Skandalgörn.

00:14:19: Irgendwie wurden die da gestellt.

00:14:20: Und am Ende, wenn man sich die Texte anschaut, das sind richtig ... sweeter Aufklärungstexte.

00:14:25: Also teilweise so hey, ihr habt Sex mit Kondom?

00:14:28: Lasst euch nicht von irgendwelchen Typen scheiße behandeln!

00:14:31: Nehmt keine Drogen... Das war dann eigentlich ... eher harmlose Texte.

00:14:36: Klar haben sie über Sex gesungen und über Selbstbestimmung

00:14:38: usw.,

00:14:39: das war vielleicht eher in so einer bisschen frechen Art, aber jetzt wenn man das mal mit heute teilweise vergleicht ist es auch nicht so krass hat sich dann ja schon viel verändert.

00:14:50: ich denke schon dass es halt auch auf jeden Fall ganz viel gab.

00:14:55: was problematisches ich weiß es.

00:14:57: bei Destiny's Child zum Beispiel gibt es einen Song Nasty wo sie so über eine andere Frau teilt Lestern und so.

00:15:05: Und natürlich gibt es auch internalisierte Misogynie in uns allen, das steckt natürlich in diesen Bands mit drin.

00:15:15: Ich glaube, dass sie trotzdem... Es ist ja immer noch ein bisschen was die insgesamt nach außen präsentieren.

00:15:23: Das geht nicht darum alles nur toll zu finden, was die gemacht haben.

00:15:28: Aber ich glaube schon, dass viel an immer zu ... Emanzipationspotenzial für unsere Generationen, was wir rausziehen konnten an verschiedenen Vorbildern die dann ja auch durch die unterschiedlichen Typen, die dann vielleicht dort auftraten möglich geworden sind.

00:15:48: Was vorher vielleicht gar nicht so breit möglich war und dass es dieses Gemeinschaftliche einfach so stark im Vordergrund stand.

00:15:58: Denkst du, du hast nämlich gerade im ersten Zeitantrag sozusagen das schon mit auf heute bezogen.

00:16:04: Ich hab mich gefragt ob diese Girl-Bands so ein bisschen sign of its time, so neunziger, zweitausend da noch waren?

00:16:11: Ich weiß gar nicht, ob wir das heute noch so haben.

00:16:14: Wir haben irgendwie die Kisee Kpop-Bans, die auch Girl-bands haben also Cats Eye ist da glaube ich die bekannteste und dann haben wir irgendwie... Also dann ist mir noch eingefallen Boy Genius aber Boy Genius, wo es ja auch drei Frauen sind, Anders als so eine klassische, in Anführungszeichen Girlpop-Band.

00:16:33: Also würdest du sagen, gibt es das heute so noch?

00:16:36: Ich hab das Gefühl, es gibt ein paar Versuche, wieder zu beleben.

00:16:40: aber bislang ist es auf jeden Fall nicht so einen Massenphänomen.

00:16:44: also die Popstars, die wirklich erfolgreich sind, sind meistens Single Echimel oder ich weiß nicht... Selbst Zicksten, die ja jetzt im Rap gab es das schon immer mal wieder.

00:16:58: Das war auch nicht so lang, dass sie zu zweit geblieben sind.

00:17:00: also ich habe das Gefühl, das ist schon eher wenn dann was von Indie eher so abseits vom Mainstream vielleicht schon.

00:17:10: da gibt's auf jeden Fall Bands auch rein Flinter-Band so.

00:17:15: aber dieses als riesiges Pop Phänomen mit diesem ganzen Castingsystemen Das ist, glaube ich, wirklich etwas sehr Spezifisches der Neunziger und Nuller Jahre.

00:17:26: Und ich weiß auch nicht ob das heute genauso noch funktionieren würde.

00:17:30: Ich kann mir vorstellen es irgendwann wieder so ein Revival gibt davon aber im Moment gibt's das halt noch nicht.

00:17:36: Und was welche Stellschrauben sich ändern müssten damit es dann heute massentauglich wäre?

00:17:44: Ich hab grad auch gedacht, stimmt.

00:17:45: Das gab ja diese ganzen Castings?

00:17:46: Dann gab's ja Mon Rose und die New Angels natürlich.

00:17:49: Es waren ja alles gecastet zu Bands von Popstar!

00:17:53: Ja

00:17:53: schon, wenn ich mal trink, das ist so da was funktioniert hat.

00:17:57: Ja voll also wir haben in der Vorbereitung versucht einen Casting nachzustellen miteinander und es war ganz furchtbar.

00:18:03: Es war auch wohl, dass wir das nur durchgespielt haben.

00:18:07: Also es ist schon krass auch.

00:18:08: Und ich habe mir jetzt noch...es gibt ja gerade diese Doku über die New Angel rausgekommen.

00:18:13: anzugucken.

00:18:13: Wir haben auch in der Vorbereitung ganz viele Popstars geguckt.

00:18:16: nochmal und diese ganzen anderen Tausend Casting-Shows, also das ist schon richtig übel wie wenig Bewusstsein einfach auch damals so dieser Verletzlichkeit der jungen Frauen und Jugendlichen eigentlich gegenüber gab.

00:18:34: und ja was damals vielleicht noch wirklich normal, weil was heute gar nicht mehr gehen würde.

00:18:42: Ich finde es aber auch spannend das jetzt gerade, weil du diese Doku über die New Angels schon ansprichst oder sie die twenty-fünf Jahre Jubiläumserie, dass darauf ja schon aber auch habe ich das Gefühl kollektiv dann eher sehr nostalgisch wohlgesonnen geblickt wird.

00:18:58: also ich hab auch gemerkt ich war vor zwei Jahren waren die No Angels oder von einem Jahr waren die no angels bei der sale das ist in Bremerhaven so Festival und da sind die aufgetreten.

00:19:10: Und da war ich mit einer Freundin, das war total toll.

00:19:13: Es

00:19:13: war wirklich schön.

00:19:15: Ja

00:19:16: auch genau dieses mit man kennt die Songs.

00:19:19: Da sind irgendwie Frauen, die geben ganz.

00:19:22: also ob das jetzt stimmt oder nicht aber sie geben den Anschein wieder dass sie sich total mögen und unterstützen und irgendwie füreinander da sind und jetzt auch wieder zusammengefunden haben.

00:19:30: und dann ist es irgendwie eine Choreo und es ist so... Also es war total hohes Song, dass man dachte toll

00:19:37: Ja voll.

00:19:38: und das ist halt auch wirklich so.

00:19:39: ein Gedanke, den wir auch hatten gerade in den Zeiten wo wir grade so das Gefühl haben alles individualisiert sich.

00:19:45: Und wie zu bröckeln so gerade so in linkeren progressiveren Kreisen wird's da hacken uns irgendwie gegenseitig.

00:19:50: und es war schon also jetzt gerade in meinem Text ich glaube bei Raphael und Paula die haben auch beide nochmal andere Fokus Fokuse gehabt.

00:20:01: Also Paula hat sich auch viel mit Ost-West thematiken, gerade mit Tic Tac Toe und ihrer eigenen Biografie.

00:20:08: Warum das vielleicht auch gerade für sie als ostsozialisierte Jugendliche irgendwie total wichtig war diese Band zu hören die sie auf einem bestimmten Ebene total erreicht hat?

00:20:18: Und bei Raphael war es dann ja super viel darüber reflektiert über Rassismen und zur Zusammenhänge von Klasse & Race inwiefern Schwesternschaft, wie viel Unterschiedlichkeit Schwesterschaft eigentlich aushält und wie viele unterschiedliche politische oder welche Spektrum an unterschiedlichen politischen Haltungen wir eigentlich in unseren Wie wir noch zusammenhalten können.

00:20:45: im Grunde so ein bisschen.

00:20:47: Weil ja weil ich das auch selber mit meiner Schwester ist es immer Thema weil wir super unterschiedlich sind sehr andere politische Haltungen haben und auch was es mich total beschäftigt hat, dass das bei den Spice Girls zum Beispiel ja auch immer wieder Thema war.

00:21:04: Die eine ist irgendwie Anarchistin die andere fand Margaret Thatcher gut und das hat mich total fasziniert wie es funktionieren kann.

00:21:15: genau aber da sind Das ist ja auch was, was immer schwerer wird gerade gefühlt.

00:21:21: Und deswegen fand ich auch oder finden wir alle drei glaube ich wenn nicht jetzt mal so für uns drei sprechen darf diese Idee so schön dass man eben aber so gemeinschaftlich auftritt das es irgendwie etwas was immer seltener wird und Was vielleicht auch einfach der eigenen Seele gut tut.

00:21:37: Ja total Genau, wo wir gerade schon über gibt's das heute noch?

00:21:42: Du hast gesagt es gibt so ein Revival.

00:21:44: Es gibt eine Nostalgie aber ich habe auch so ein bisschen das Gefühl also andersrum.

00:21:49: Ich hab mir eine Sache rausgeschrieben aus diesem Skript die ich total gut fand und zwar ist das glaube ich aus Raphaels Text.

00:21:56: da steht Wer hat das Betchen erfunden?

00:21:58: Ich meine das Girl!

00:22:00: Wer hat mich so programmiert dass sich Girls gefühle und meine gleichzeitig halten kann Aber meine irgendwie verschwinden wenn Boys der Meinung sind ich muss sie hüten und trösten.

00:22:08: Ich hab das total Gefühl diesen Absatz und gleichzeitig habe ich so ein bisschen das Gefühl, dass die neue Generation sich mehr davon lösen kann.

00:22:17: Weil es ja auch jetzt diese Bewegung gibt von irgendwie Geishober-Dating ist nicht mehr ganz so wichtig.

00:22:25: Ist das auch dieses... vielleicht gibt's diese Girlpop-Bands?

00:22:28: Nicht mehr?

00:22:28: Die Solidarität wäre super!

00:22:30: Das noch mehr zu sehen.

00:22:31: aber auch weil quasi dieses Gefühl weil es das gar nicht mehr so braucht, also weil die neue Generation da irgendwie auch anders drauf

00:22:38: guckt?

00:22:39: Ja, ist eine interessante Frage.

00:22:41: Also ich finde diese Stelle auch ganz toll.

00:22:43: von Raphael und die haben wir glaube ich alle drei extrem gefühlt.

00:22:47: dieses krasse Aufwachsen mit man is eigentlich nur was wert wenn man sich in Bezug auf einen Mann denkt Das ja auch aus queerer Perspektive voll spannend Und dass das irgendwie zu hinterfragen und auch bestimmte Bilder gelernt hat oder wie man auch als Girl konstruiert wurde irgendwie zu hinterfragen.

00:23:11: Und vielleicht gar nicht alles ablehnen zu wollen, sondern vielleicht auch vieles daran total schön finden und manches aber eben auch irgendwie so krass internalisiert haben dass man es fast gar nicht los wird.

00:23:21: also das sind ja auch immer so Sachen Man wird sich dessen bewusst, aber kann man das dann wirklich noch ablegen?

00:23:26: Schafft man das irgendwie so in seinem Leben?

00:23:28: oder ist es eher was, was man vielleicht für die nächste Generation schafft weiterzugeben und nicht weiterzugehen.

00:23:36: Und ob das jetzt sozusagen etwas ist, was die neue Generation gar nicht mehr braucht, würde ich jetzt mal anzweifeln weil ... Ich hab schon das Gefühl, es hat sich was verändert Aber es sind einfach so krasse Vor- und Zurückbewegungen, die gerade stattfinden Die konservativen Werte werden.

00:23:53: Man denkt immer, man lebt.

00:23:55: Also ich lebe auch hier in Berlin in so einer sehr linken progressiven Bubble, wo Queerness kein großes Thema ist oder weil es halt irgendwie sehr viele betrifft.

00:24:05: und dann komme ich aber irgendwie zurück in meinen Heimatort und ich merke einfach an was für eine Bubble ich hier lebe und ich glaube schon dass das sehr viele junge Frauen auch heute noch oder flinter Personen massiv beschäftigen wird leider.

00:24:23: Also ich glaube nicht, dass wir schon an dem Punkt sind wo wir sagen können nö also spielt keine Rolle mehr und klar gibt es diese Geissober und so weiter.

00:24:31: das sind ja alles total spannende Entwicklungen auch die.

00:24:35: ich glaube wirklich nicht dass genau das gleiche sich genauso wiederholt.

00:24:38: also das wäre ja auch krass.

00:24:40: also dafür sind Realitäten auch zu komplex.

00:24:43: aber Auf die ein oder anderem Art ist es ja dann auch so eine Art von Raster, was vielleicht auch wie so eine Hilfestellung für die neue Generation angeboten werden kann.

00:24:54: Dass wir das irgendwie schon ein bisschen bearbeitet und versucht haben zu analysieren.

00:24:59: Und dann können sich neue Generationen das angucken und sagen, bei uns ist das noch relevant aber das vielleicht jetzt nicht mehr.

00:25:05: Also ich denke, Aspekte davon werden weiterwirken und immer noch ähnlich

00:25:12: sein.".

00:25:14: Du hast ja gerade auch schon angesprochen, dass sich das alles ein bisschen wiederholt.

00:25:18: Recht gegen Ende... Ah ja!

00:25:19: Das ist ein Paula-Abschnitt.

00:25:21: Stellt hier auch in oder performt ihr dann?

00:25:24: Ja.

00:25:25: Die Neunziger sind zurück, d.h.

00:25:26: baffelos mit Schlaghusen, dg brutalos mit Baseballschlägern.

00:25:30: Wir wollten den Spaß zurück und wir bekamen die Verhältnisse.

00:25:33: Das ist auch recht gut analysiert und ich musste einen wenig schlucken bei dem Absatz.

00:25:38: Ich finde es auch spannend im Zusammenhang, dass man sagt diese Nostalgie hat ja auch immer so ein bisschen was Rückwärtsgewandtes, also es gibt glaube ich auch Studien.

00:25:46: Ich will das jetzt nicht behaupten oder stimmt aber ich habe das glaube ich mal gelesen dass es auch Studien gibt die sagen hier sind wenn man so eine Nostalgiewelle hat dann spricht das eigentlich für so ne Faschisiert also für eine Gesellschaft die gerade wieder in so einen Faschesmus reinschlittert weil man irgendwie so nach hinten guckt.

00:26:03: und das fand ich auch so spannend dass also irgendwie kommen Sachen ja wieder hoch andere, weniger schöne Sachen würde ich mal sagen.

00:26:15: Du hast es einem im Grunde schon gesagt aber ob so die Girlband da auch eine Antwort drauf sein kann oder die Schwestern schafft sozusagen?

00:26:23: Im Grunde bleibt uns ja nichts anderes übrig.

00:26:25: Ich glaube wir kommen nicht weit wenn wir alleine versuchen irgendwas zu kämpfen und man kommt ja auch in so ne... Man wird immer mehr in so einer Einsamkeit zurückgeworfen.

00:26:36: Es ist ja auch eine Entwicklung innerhalb der Linken oder innerhalb von feministischen Bewegungen, das war auch etwas was mich viel beschäftigt hat.

00:26:42: Wir versuchen immer mehr safe spaces zu schaffen.

00:26:45: es gab einfach einen Zeit lang auch im Feminismus diese Tendenz.

00:26:48: Wir wollen uns in immer kleineren Gruppchen in Safe Space treffen, damit wir uns nicht mehr weh tun können und so.

00:26:53: Und ich glaube das ist nicht unbedingt die Lösung... Also ich weiß auch ganz genau warum das so war weil es auch notwendig war und vielleicht auch immer noch ist.

00:27:03: aber trotzdem muss es auch Räume geben wo wir gemeinsam kämpfen und dass dann auch irgendwie aushalten können, dass wir uns wahrscheinlich öfter mal verletzen werden.

00:27:12: Auch wenn wir uns alle oder wenn man sich soweit es geht bemüht vielleicht aufeinander acht zu geben und das ist halt in Gruppen, das merken wir ja auch in der Praxis als Girlband.

00:27:23: Alle haben andere Bedürfnisse alle einen anderen Time Schedules.

00:27:26: Wir sind jetzt mittlerweile auf der zweiten Tour dann mit Bremen fangen wir die zweite Tour an.

00:27:32: aber gemeinsam mit Terminen zu finden is not easy.

00:27:36: Alle haben so ihr eigenes Leben.

00:27:38: Das ist alles ganz im Kleinen und ja nicht auf einer konkret politischen Ebene, sondern erst mal auf unserer künstlerischen beruflichen Ebene.

00:27:53: Aber es ist nicht einfach!

00:27:55: Und da sind Challenges die wir miteinander angehen müssen.

00:27:59: aber so ein Gemeinschaftsgefühl kann da schon sehr helfen würde ich sagen.

00:28:07: Wir haben das auch sowohl in positiven als auch vielleicht mit den Hürden alles erlebt.

00:28:11: und wie krass es auch zusammenschweißen kann, so gemeinsame Projekte zu machen, gemeinsam Kunst zu machen.

00:28:18: Und das ist ja auch etwas was leider von konservativ rechten politischen Entwicklungen gerade massiv gefährdet ist.

00:28:27: also die ganzen Kürzungen der Kultursthemen Das ist halt was uns allen Angst macht auf jeden Fall und ich glaube genau der richtet der falsche Schritt in Zeiten wo eben viel zu wenig solche Räume gibt für Menschen, die Angst haben und dann halt oft wenig Angebote haben.

00:28:47: Und vielleicht dann eher auf die rechten populistischen Dinge anspringen?

00:28:52: Das sind alles so verpasste Chancen glaube ich.

00:28:56: Wie schön das es euch gibt als Gegenentwurf sozusagen!

00:29:00: Als literarische Girlpopband.

00:29:04: Wir sind schon am Ende, danke dir für das Gespräch.

00:29:07: Danke dir!

00:29:08: Ich sag nochmal eben du hast es gerade schon angeteasert ihr startet eure Tour in Bremen und zwar kommt ihr ins Lagerhaus Und du allein kommst auch mit deinem Buch am fierundzwanzigsten November in den Buklern Osterthor.

00:29:20: Also bist du im Herbst zweimal in Bremen zu erleben, wie schön!

00:29:24: Vielleicht darf ich auch noch kurz erwähnen dass Paula Fürstenberg gerade ihr Sachbuch nie wieder Vereinigung eben genau zu dem Thema Ost-West veröffentlicht hat und Raphael hat auch einen tollen Roman geschrieben, die mich vielleicht auch nochmal erwähnt werden will weil wir unsere Solo Projekte ja auch haben, wie Du schon gesagt hast.

00:29:41: Adikoo heißt er sich Leute für die anderen beiden Interessieren, die jetzt heute nicht im Interview mit dabei waren.

00:29:48: Diese tollen Bücher lesen können

00:29:49: auch zu finden sind.

00:29:52: Super!

00:29:53: Dann danke ich auch an dieser Stelle natürlich wie immer alle lieben Zuhörerinnen.

00:29:57: Danke dass ihr bis hier durchgehalten habt für euere Interesse und eure Zeit auf Wiederhören.

00:30:08: Tschüss.

Über diesen Podcast

Der Podcast, der das literarische Leben in Bremen und dessen Vielfalt anschaulich, nachvollziehbar, erlebbar macht. Die Stadt hat in den vergangenen Jahren viel erreicht und ist zum Freihafen des literarischen Wortes avanciert, in dem Diversität den Ton angibt. Dazu gehören nicht nur AutorInnen, sondern auch die unterschiedlichsten Lesegenerationen, die BuchhändlerInnen der Stadt, die Verlage sowie sämtliche Einrichtungen, die sich die Vermittlung literarischer Inhalte, Themen und Ausdrucksformen zur Aufgabe setzen. Wir wollen zeigen, dass all die genannten Perspektiven zusammengenommen und für Diversität, Austausch und Diskurs stehen. In einem lockeren Gesprächsformat, offen, persönlich und neugierig auf die Vielfalt des Literaturbetriebs.

von und mit Literaturhaus Bremen

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