Literaturhaus-Podcast

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00:00:05:

00:00:09: Hallo und herzlich willkommen zur neuen Folge des Literaturhaus-Podcasts, diesmal mit Frieda Ahrens.

00:00:13: Und zu Gast in dieser Folge ist sie bei Schick.

00:00:16: Herzlich Willkommen!

00:00:19: Für alle die dich noch nicht kennen stelle ich dich kurz vor.

00:00:22: wenn ich dabei irgendwelche Fehler mache oder was falsch recherchiert habe unterbricht mich einfach direkt gerne.

00:00:27: Du bist Journalistin, Podcasterin und Autorin.

00:00:30: Und du hast schon diverse Kolumnen geschrieben unter anderem beim Missi-Magazin bei ND, bei der Tutsch, bei Camp Act... ...und dein erster größerer längere Text, würd ich sagen ist.

00:00:40: Es war das Erste in der Schiene und er heißt Deutschland schaffe ich ab einen Kartoffelgericht!

00:00:44: Seitdem hast du nicht aufgehört zu schreiben.

00:00:46: Du hast unter anderem das Buch weißen Feminismus känzeln, warum unser Feminismus feministische werden muss.

00:00:51: im Jahr und dieses Jahr kam dein neuestes Buch über das wir sprechen wollen.

00:00:57: Mein Körper wässt eine Entscheidung, warum wir reproduktive Gerechtigkeit

00:01:01: brauchen?

00:01:01: Ist es stimmt alles so?

00:01:03: Ja ich würde das Lese half.

00:01:05: Deutschland schaffe ich ab nicht als mein erster lange Text.

00:01:11: Bezeichnen, weil ich davor schon so ähnliche Längen geschrieben habe in dem Sammelband beispielsweise freie Stücke herausgegeben von der Missi-Redaktion eine ähnlichen Länge also zwanzig Normseiten etwa und das ist zwei tausend siebzehn oder so erschienen.

00:01:33: Das war ein Essay Ansonsten definitiv.

00:01:38: Ja, vielen Dank für die Vorstellung!

00:01:40: Aber das ist vielleicht ein ganz guter Einschub auch weil ich dachte wir fangen vielleicht als erste Frage gar nicht so ein bisschen spezifisch zum Buch an sondern allgemeiner, weil wir sind ja in der Literaturhaus und ich wollte noch mal fragen wie du es so zum Schreiben gekommen bist?

00:01:55: Also weil du machst es ja schon ganz lange auch und auch unterschiedliche Themen also immer mit einer intersectionellen Überklammer würde ich sagen aber ja schon verschiedene unterschiedliche Fokuse.

00:02:10: Und genau, hat sich das dein Verhältnis zum Schreiben vielleicht auch geändert über die Jahre?

00:02:16: Also ich habe als Jugendliche sehr, sehr kurze Texte, kurze Geschichten geschrieben und auch Tagebücher eingeführt so wie es man halt macht als junge Person ganz oft.

00:02:30: Und dabei so wirklich angefangen mit dem Schreiben habe ich mit dem Aktivismus tatsächlich, also nicht auch nicht so wirklich.

00:02:39: Warte mal!

00:02:40: Ich muss jetzt selber ganz kurz drüber nachdenken.

00:02:43: Ich glaube die Politisierung liegt schon einige Jahre zurück.

00:02:46: da hab' ich noch in der Türkei gelebt.

00:02:48: tatsächlich durch das erste heimlich gedrehte Peter-Video von einem Pelzfahren hat das angefangen, weil ich nicht wusste, dass Pelz so hergestellt wird.

00:03:00: Das war der Moment an dem ich zum ersten Mal mit dieser Brutalität, mit dieser Gewalt konfrontiert wurde und das hat wirklich mein Leben komplett verändert Und da habe ich mich angefangen für Tierrechte und mit unserem Umgang mit Tieren und mit der Umwelt angefangen zu interessieren Und das war so ein bisschen der Start und nach und nach habe ich auch angefangen auf Social Media vor allem darüber zu schreiben.

00:03:35: Dann habe ich mit einer anderen feministischen Kollegin, die aus der Türkei stammt wie ich allerdings zurzeit in Paris gelebt hat – da hab' ich schon in Köln gewohnt – gemeinsam mit anderen Aktivistinnen eine Plattform gegründet eraktoria.org der wir uns gegen Sexismus engagiert haben.

00:03:58: kurz zusammengefasst.

00:03:59: Da hatten mir verschiedene Verantwortungsbereiche, ich war unter anderem für die inhaltliche Seite verantwortlich für die Aktionen, die wir ins Leben gerufen haben und da habe ich das kurze Schreiben geübt sozusagen auf Social Media weiterhin geschrieben, aber so die feministische Politisierung war tatsächlich erst dadurch zustande gekommen dass diese Freundin mir immer wieder gesagt hat hey du bist die richtige Person und ich soll nenne näh und sie dort doch doch doch und quasi mich da halt mit hineingezogen hat.

00:04:38: zum glück weil das für mich eine neue brandneue welt eröffnet hat.

00:04:43: Und dann habe durch eine Kollegin angefangen, für die Tats zu schreiben als Freie und dann dort auch einen Redaktionspraktikum absolviert.

00:05:01: Ich war neun Monate da und so wirklich Fahrt hat das erst aufgenommen sozusagen dass ich in der Redaktion mit dabei war, was eigentlich auch unüblich ist.

00:05:17: Die Tats, normalerweise bieten sie so für drei Monate nach drei Monaten.

00:05:20: Aber war dann halt irgendwie die gemeinsame Entscheidung, dass ich ein bisschen länger bleiben soll?

00:05:25: Das war halt irgendwie keine offizielle ... kein offizielles Volontariat aber ging in meiner Erfahrung schon ein bisschen in die Richtung und so hat das Ganze angefangen genau!

00:05:38: Und du bist ja irgendwie beim Text geblieben.

00:05:40: ne also da schreiben als Ausdrucksform hatt ihr anscheinend, ich leg dir das jetzt so hin gefallen?

00:05:47: Ja es gefällt mir vor allem weil ich mich selber nicht dabei irgendwie so stark angucken muss.

00:05:53: Ich mache zwar auch Videos, ich habe nur jetzt zum Beispiel eine Videokulümne für Indy.

00:05:59: einmal im Monat drehe ich einen Social Media Video für sie über intersektional feministische Themen oder über Themen aus dieser Perspektive halt und Ich finde es halt nicht immer so leicht mir diese Videos anzugucken, weil ich das irgendwie nicht so gerne mag mich auf dem Bildschirm zu sehen.

00:06:21: Deshalb ist der Text da für mich ein bisschen... Da fühle ich mich freier sozusagen!

00:06:28: Da fühl' ich mich nicht so beobachtet.

00:06:30: Ja, das kann ich sehr gut nachvollziehen.

00:06:33: um jetzt auf das aktuelle Buch zu kommen.

00:06:35: Du willst mit dem Buch einiges klarstellen, hatte ich das Gefühl beim Lesen?

00:06:38: Es gilt in viele verschiedene Aspekte rein was in unserem Gesundheitssystem alles falsch läuft oder aber auch auf einer größeren gesellschaftlichen Ebene eigentlich alles falsch geläuft.

00:06:49: Das Überthema ist ja so'n bisschen Abtreibung des Rechtes auf die eigene Entscheidung.

00:06:54: und du sagst auch ganz am Anfang du willst irgendwie mit diesem Spruch mein Körper meiner Entscheidungen also nicht aufräumen.

00:07:02: Aber du sagst schon, dass er dir irgendwie nicht reicht als Spruch.

00:07:05: Warum?

00:07:06: Genau.

00:07:06: also ich finde den Spruch zuerst einmal nicht schlecht oder so.

00:07:10: aber wie du jetzt auch gesagt hast er greift zu kurz.

00:07:15: weil ich gemerkt habe

00:07:17: auch aufgrund

00:07:18: der ganzen Recherchen die ich im Voraus schon zu dem Thema gemacht hatte für andere Texte das halt viele Aspekte die eigentlich zum thema sexuelle Selbstbestimmung gehören da irgendwie keinen Platz finden.

00:07:37: Es geht natürlich um die Körperlichkeit im Großen und Ganzen, aber es sollte auch darum gehen was eine Entscheidung ist wie eine Entscheidung überhaupt entsteht welche Aspekte dabei eine Rolle spielen das Menschen gewisse Entscheidungen treffen beispielsweise welche Voraussetzungen sie haben und auch dass Entscheidungen auch gewisse Folgen haben, gewisse Konsequenzen für die Menschen sich eigentlich nicht entscheiden.

00:08:12: Also das hat halt ganz oft vor allem in Fragen der Fortpflanzung eben Folgen, die unter den Menschen leiden können.

00:08:27: Deshalb, da habe ich gemerkt irgendwie okay ja ist gut eigentlich als so ein Slogan.

00:08:33: Es ist kurz und knapp man kann sich das gut merken und man kann es auch Demos hervorragend aus der Seele schreien.

00:08:41: aber eigentlich wenn man sich so ein bisschen detaillierter mit dem Thema beschäftigen möchte dann reicht es nicht aus

00:08:48: Und du meinst damit dass diese dass der Part meiner Entscheidungen so ein bisschen in Frage gestellt wird, weil du hast es angedeutet wie frei kann eine Entscheidung sein in unserer Gesellschaft.

00:08:59: Je nachdem wie man aufgestellt ist?

00:09:03: Ja aber auch der Teil mit dem Körper.

00:09:07: also im Idealfall gehören unsere Körper uns.

00:09:12: allerdings ist im kapitalistischen System auch ein bisschen fraglich welche Erfahrungen diese Körper machen müssen, welcher Gewalt der Körper ausgesetzt wird.

00:09:36: Also ja ich finde das um eine freie Entscheidung treffen zu können müssen Menschen gute Optionen haben.

00:09:45: aber wenn Menschen zwischen dem kleineren und größeren übel auswählen müssen, dann ist das eben keine Selbstbestimmung.

00:09:54: Und es ist leider ganz oft so in unserer Gesellschaft dass Menschen vor die Wahl gestellt werden.

00:10:07: gehe ich jetzt einen Weg der weniger schlimm ist oder den der halt viel schlimmer ist sozusagen?

00:10:13: und natürlich auch die Frage inwiefern uns unsere Körper vollständig gehören können, wenn wir gleichzeitig mit so viel Gewalt konfrontiert sind.

00:10:25: Aber auch wenn dieser Körper so viel arbeiten muss wie wir das derzeit

00:10:31: machen.".

00:10:32: Du nennst auch in deinem Buch Beispiele wann man Wahrscheinlich nicht von Freiwilligkeit sprechen kann, wenn man sich für bestimmte Sachen entscheidet zum Beispiel, wenn es um Geldnot geht.

00:10:43: Also sowohl sprichst du ja auch darüber wie viel Kosten du damals auf dich zugekommen sind und die zweitausend Euro, die du dann nicht bezahlen musstest oder dagegen angehen konntest aber das halt nicht immer möglich ist.

00:11:00: Und in einem anderen Aspekt schreibts über Leimutterschaft.

00:11:05: Die Frage ist, wer kann sich das leisten und wer vermarktet seinen Körper damit oder muss es auch tun?

00:11:12: Warum ist dir das so wichtig, das aufzuzeigen?

00:11:15: Weil ich diese ganze Mittelstandsperspektive im Feminismus, die ja auch dominiert nicht ausreichend finde.

00:11:25: Wie gehen davon aus dass Menschen ihren Träumen folgen können?

00:11:29: Das können aber nur die wenigsten.

00:11:31: ganz oft nehmen Menschen jene Arbeit an, die ihnen gegeben wird.

00:11:38: Sie können ganz oft gar nicht wählen und deshalb finde ich halt diese ganzen Diskussionen um Geld und Arbeit und Karriere und Leser der Decken und Gender Pay Gap einfach total lückenhaft so.

00:11:54: das war deshalb super wichtig für mich irgendwie nochmal zu versuchen aufzuzeigen, um welche Lücken geht es denn jetzt überhaupt?

00:12:03: Worüber sprechen wir dann eigentlich nicht wenn wir von der Arbeit so sprechen als wäre es.

00:12:11: etwas halt, das per se Menschen erfüllt oder erfüllen muss.

00:12:15: Das ist überhaupt nicht der Fall!

00:12:17: Ich halte es auch für einen Missstand des man davon ausgeht dass menschen von einer bestimmten Arbeit träumen müssen.

00:12:25: Menschen müssen nicht daran arbeiten träumen.

00:12:27: sie können träumen von Erfahrungen von Erlebnissen oder von Sachen aber diese Erwartung, dass die Arbeit halt auch so auf emotionaler und psychischer Ebene so erfüllend sei.

00:12:45: Das ist für die wenigsten der Fall!

00:12:48: Und eigentlich auch eine verkehrte Perspektive auf unsere Welt und auf die Strukturen in denen wir existieren.

00:12:58: Dann hast du aber noch einen zweiten Teil gehabt zu dieser Frage.

00:13:03: Das habe ich jetzt vergessen, kannst du es noch mal wiederholen bitte?

00:13:06: Also Abtreibung als Maßnahme die Geldkostet, die nicht alle Menschen sich leisten können und das ist ja ein großer Block auch in deinem Buch.

00:13:17: und der andere Block wo's ja auch darum geht wie freiwillig können Sachen sein isst wenn Frauen ihren Körper verkaufen indem sie.

00:13:24: also klingt so hart aber dass was passiert in dem Sie auch Leimutterschaft anbieten?

00:13:30: Ja, genau.

00:13:31: Also ich wollte mich auch wirklich mit diesem Aspekt beschäftigen... also was ist überhaupt Kinderwunsch?

00:13:40: Ich bin jetzt nicht sehr tief in diese Frage hineingegangen aber mich hat das schon beschäftigt.

00:13:47: Irgendwie bedeutet ein Kinderwünsch, einen unerfüllter Kinderwund per se dass Menschen ein Recht auf ein eigenes Kind haben auf ein Kind aus dem eigenen Körper sozusagen.

00:14:00: oder können wir vielleicht nicht ein bisschen mehr darüber nachdenken und darüber diskutieren.

00:14:06: Und vielleicht auch streiten, ob auch andere Familienmodelle da genauso erfüllt sein könnten?

00:14:12: Ich verstehe das unerfüllter Kinderwunsch mit sehr viel Leid verbunden sein kann.

00:14:19: Mich hat es aber beschäftigt, ob sich dann diese Rechnung aufmacht bzw.

00:14:25: ob sich das halt so ergibt als logische Schlussfolgerung, dass man dafür eine andere Person beauftragt für die Austragung des eigenen Kindes oder für die Geburt des eigenen kindes.

00:14:44: Was das bedeuten kann?

00:14:45: Welche Folgen das für die Leimmutter haben kann und vor allem auch darüber also das ein bisschen aufzeigen, dass das nicht

00:14:55: immer

00:14:57: bedeutet, dass diese Personen selbst nicht gebären könnten sondern inzwischen auch sehr

00:15:03: oft

00:15:05: so ist das Menschen einfach nicht gebaren wollen.

00:15:09: Nicht selber gebären wollen obwohl sie es eigentlich könnten.

00:15:13: Reiche Menschen beispielsweise oder prominente Menschen die auch sehr viel mit ihrem Körper in der Öffentlichkeit stehen Und ich zitiere auch aus der Website einer Vermittlungsagentur aus den USA, die damit auch Werbung machen.

00:15:28: Wenn eine Person beispielsweise als Hobby tagtäglich intensiv Sport treibt dann wäre das ja nicht vereinbar mit einer Schwangerschaft.

00:15:37: da kann man doch einfach auf andere Auslagern und eine andere Person könnte diese Aufgabe doch eigentlich genauso gut für sie übernehmen gegen eine gewisse Summe.

00:15:51: Also da wollte ich tatsächlich so ein bisschen zeigen, dass das inzwischen oder vielleicht war es auch immer so, dass eben die Leimoterschaft eigentlich aus einer sehr großen Machgefälle entsteht und entstehen kann.

00:16:06: Und das Bild... Die Leimutter, das

00:16:12: immer

00:16:12: absolut frei entscheiden.

00:16:15: Freiwillig machen und es machen um Menschen die irgendwie einen unerfüllten Kinderwunsch haben und deshalb total drunter leiden eine Freude zu machen und die Freude zuteilen.

00:16:29: Irgendwie als eine selbstlose Akt der Solidarität verstanden wird dass ich da nochmal irgendwie so ein bisschen aufzeigen wollte hey Es ist inzwischen wirklich ein sehr, sehr großes Geschäft.

00:16:43: Und Leimütter können enorm drunter leiden, weil die menschliche Geburt auch mit so vielen Risiken verbunden

00:16:51: ist.

00:16:52: Also was mir vor deinem Buch nicht klar war und was Leimüter ja auch machen öfter wenn es ein Geschäftsmodell ist, dass sie ganz viele Schwangerschaften austragen.

00:17:02: Ich habe das Gefühl, ich beschäftige mich schon viel damit.

00:17:05: Eine gute Freundin für mich ist Gynäkologin.

00:17:07: Schwangerschaften sind viele Themen und ich weiß die Geburt nicht zu unterschätzen.

00:17:10: daran dass immer noch ganz viele Frauen daran sterben können.

00:17:12: es einfach unglaublich schlimm so und trotzdem.

00:17:15: also es ist die logische Konsequenz aber ich muss das lesend damit ich's checke ist dass man wenn man viele schwangerschaftenaus trägt natürlich die Lebenserwartung sinkt weil man wahrscheinlich seinem Körper immer wieder ein total krassen Prozess aussetzt und dass die Wahrscheinlichkeit höher wird, dass man Herzkreislaufkrankheiten hat.

00:17:34: Das schreibst du und ich muss das einmal lesen damit es in meinen Gehirn singt obwohl ich ja weiß was für ein wahnsinnig krasse Akt eine Geburt ist sozusagen.

00:17:44: Warum haben wir so ein falsches Bild von Schwangerschaften in unserer Gesellschaft?

00:17:47: Ich glaube, das ist eine pronatalistische also eine geburtsbefürwortende Erzählung.

00:17:55: Dass die Schwangerschaft eine total schöne und emotional erfüllende Zeit ist wo eine gewisse Verbindung mit dem Kind im Bauch entsteht und dass es ausschließlich Freude bringen kann damit Menschen sich auch wirklich für Schwangerschaften und Geburten entscheiden können, dass über diese Risiken nicht ausreichend informiert aufgeklärt und gesprochen wird.

00:18:22: Und das führt aber auch dazu, dass eben auch nicht genug Mitteln in die Forschung hineinfließt um diese Missstände zu beseitigen.

00:18:34: Also wenn Menschen alle Menschen wirklich wüssten wie gefährlich eine Schwangerschaft wirklich ist und wie nahe Menschen damit dem Tod kommen könnten.

00:18:45: Ich glaube, dass Menschen ganz andere Fragen stellen würden.

00:18:49: was das angeht.

00:18:51: ich will damit nichts sagen, dass sich Menschen dann per se für weniger geburten entscheiden würden Das behauptet nicht.

00:18:57: aber ich behauptte Und ich bin mir eigentlich sicher, dass die Fragen eben andere wären und dass die Diskussion einer anderen wäre.

00:19:10: Das wird damit verhindert, dass da auch eine gewisse Entwicklung zustande kommt.

00:19:18: Ich habe das Gefühl über den Missstand, dass eine Abtreibung noch im Strafgesetzbuch steht, wird seit Jahren gesprochen und du schreibst in deinem Buch, wenn man mal die Gesellschaft fragt

00:19:31: ...

00:19:32: warte ich!

00:19:33: Hab's mir rausgeschrieben, ich kann es genau zitieren.

00:19:36: Achtzig Prozent der Menschen in Deutschland finden die Rechtswidrigkeit falsch und seventy-fünf Prozent finden das Abbrüche zukünftig nicht im Strafgesetzbuch geregelt werden sollten.

00:19:45: Da fragt man sich ja warum ist es dann noch so?

00:19:47: Wenn die klare Mehrheit das eigentlich schon

00:19:49: begriffen hat?

00:19:50: Wir leben hier in diesem kapitalistischen Wirtschaftssystem Und dieses System ist eigentlich nicht nur das Wirtschaftsystem sondern auch zu unserer Kultur geworden Und dabei spielen die Verwertungslogiken auch eine sehr große Rolle.

00:20:05: In diesem System muss es Menschen geben, die arbeiten und dir den Wohlstand irgendwie gewährleisten mit ihrer Arbeitskraft.

00:20:14: Dafür sind die Staaten auf hohe Geburtsraten angewiesen.

00:20:20: Daran liegt das, dass die Schwangerschaftsabbrüche immer noch in einem Straf ... Gesetzbuch verhandelt werden können, obwohl das eigentlich nicht dem gesellschaftlichen Konsens entspricht.

00:20:31: Wenn die Gesellschaft gegen eine Maßnahme ist dann sollte sich das eigentlich ändern weil die Gesetze sind ja dafür da dass Menschen ein gutes Leben führen können und das es eigentlich nicht vereinbar mit unserem Demokratieverständnis.

00:20:45: Dass etwas so selbstverständlich ist wenn seventy fünf bis achtzig Prozent einer Bevölkerung etwas will, dass das eben nicht passiert.

00:20:52: Das ist eigentlich unvorstellbar Und in irgendeiner anderen Frage hätte das auch gar nicht so lange gedauert und es wäre auch gar nichts so ein Kraftakt wie bei diesem Thema, das irgendwie in die Wege zu leiten.

00:21:07: Weil wir uns auch gar kein anderes System als den Kapitalismus vorstellen können, bleiben wir eben bei diesen Massnahmen und ich glaube da müssen uns einfach grundlegend fragen, was für einem Weltmustern eigentlich her.

00:21:29: Also wie gehen wir miteinander um?

00:21:32: Wir betrachten uns als potenzielle Arbeitskräfte.

00:21:36: Es ist selbstverständlich dass eine Gesellschaft solidarisch sein muss dem widerspreche ich gar nicht.

00:21:43: aber das es ja eigentlich gar nicht die Solidarität was hier beansprucht wird.

00:21:48: Ganzen Gegenteil wird Solidarität durch die Hyperindividualisierung der Menschen eigentlich total verhindert.

00:21:55: Also dass wir uns zusammenschließen können, also das die Verbundenheit einfach total ver hindert wird, dass Menschen sich per se als Bedrohung finden, dass menschen sich per sie als Belastungen empfinden sollen und das ist alles politisch gewollt!

00:22:10: Also geht es da gar nicht um eine Gesellschaft die sich gegenseitig unterstützt sondern eher dass eine große Mehrheit der Menschen mit dem Körper und mit der Arbeit, die durch diese Körperzustand kommt den Wohlstand für sehr wenige in der Gesellschaft gewährleisten können.

00:22:31: Weil das Reichtum ja auch nicht gerecht verteilt wird.

00:22:37: Menschen arbeiten mehrheitlich sehr viel und verdienen dabei sehr wenig Geld bekommen dabei sehr wenig Geld, obwohl ihnen eigentlich nicht viel mehr zustünde.

00:22:49: Und jetzt diskutieren wir über darüber dass die Rente ausfallen soll, darüber das die Krankenversicherung bald auch Luxus sein könnte und das geht in eine Richtung die total düster ist.

00:23:08: Das sind Anzeichen dafür, dass in absehbarer Zukunft die Ungerechtigkeit in unserer Gesellschaft wachsen wird.

00:23:14: Und dem muss dringend ein Ende gesetzt werden und da wäre zum Beispiel Die Abschaffung von Paragraphen zweihundertachzehn aus den deutschen Strafgesetzbuchen erster Schritt finde ich.

00:23:27: Ich find's auch immer Wahnsinn wie die Narrative so gedreht wird als das Kinderkriegen.

00:23:35: Also wenn man nicht Kinder kriegen will, als sei das das Egoistische.

00:23:39: Als sei die Entscheidung gegen ein eigenes Kind eine egoistische Entscheidung.

00:23:44: wo ich mit meinen Freundinnen darüber diskutiere dass ich finde man kann kaum aus einem unegoistischen Grund einen Kind kriegen.

00:23:51: also ein Kind zu kriegen ist eigentlich egoistisch weil warum macht man es?

00:23:54: Weil man Kind haben will.

00:23:55: Also im besten Falle will man ein Kind haben und sonst ist es zufällig.

00:24:02: aber auch das... Das ist ja die Frage In welcher Welt sitzen wir diese Kinder eigentlich?

00:24:07: fürs Kind?

00:24:07: Machen wir es wahrscheinlich nicht.

00:24:08: Ich finde es Wahnsinn, dass die Narrative immer wieder anders herum gedreht wird, das den Frauen vorgeworfen wird... Dass man egoistisch ist wenn man kein Kind haben möchte, obwohl das ja gar nicht bedeutet, dass man sich nicht um Kinder kümmern kann nur weil man kein eigenes hat zum Beispiel.

00:24:23: Ja aber unter den hiesigen Umständen ist das auch tatsächlich so, dass Menschen sich nicht kümmern wenn es nicht die eigenen Kinder sind oder mehrheitlich, sage ich mal.

00:24:33: Natürlich gibt es auch andere Lebensmodelle.

00:24:35: natürlich gibt's auch sehr solidarische Menschen die irgendwie schon Solidaritätsbewusstsein haben und für andere da sind.

00:24:42: Erstens hat haben sehr viele menschen überhaupt gar keine Kraft für Solidarität um Für andere dar zu sein weil sie sich kaputt schuften.

00:24:52: Und andererseits ist das gar nicht vorstellbar dass dieses kümmern um das kinder um die Kinder der anderen genauso erfüllend sein kann und genau so glücklich machen kann.

00:25:06: Dieses Bewusstsein ist noch nicht flächendeckend da, deshalb kommen dann eben diese pronatalistische narrative Zustande die Menschen überreden sollen das Kinder zu bekommen per se eine Tugend sei ein Akt der selbstlosen sozusagen Wobei ich überhaupt nicht nachvollziehen kann, warum das problematisiert wird.

00:25:38: Ein Selbstbewusstsein zu haben sozusagen.

00:25:41: Dass man ... Warum so selbstlos sein soll jetzt plötzlich in einer so egoistischen Gesellschaft eigentlich?

00:25:51: Das ist schon ein ziemlicher Widerspruch finde ich.

00:25:54: Ja und auch natürlich einen Anspruch der primären Frauen gegenüber getreten wird

00:26:00: Ja, das ist natürlich auch eine Sache.

00:26:02: Also gewisse Menschen können es ja gar nicht richtig machen ganz unabhängig davon wofür sie sich entscheiden.

00:26:12: Es ist irgendwie immer falsch.

00:26:13: entweder es ist falsch dass Sie sich für einen gewissen Weg entschieden haben oder es ist falsch wie sie damit umgehen und was die draus machen.

00:26:22: also Also da muss man wirklich mit Methan sprechen, wenn man sich ein klares Bild davon machen möchte.

00:26:31: Inwiefern eine Mutter es in den Augen der Gesellschaft so falsch machen kann?

00:26:37: Das ist schon krass wie viel Projektion stattfindet und wie viele Vorurteile.

00:26:50: Dazu kann ich allen, die zu hören, nur empfehlen ein paar Folgen vorherzuhören.

00:26:53: Weil da haben wir Lena Gurelik Interviews zu alle meine Mütter, wo es darum geht dass Müttern kaum was richtig machen können in unserer Gesellschaft.

00:27:01: und da gibt's auch um viele verschiedene Formen der Mutterschaft das Verhältnis zur eigenen Mutter oder zum Kind.

00:27:09: Die Entscheidung nicht mutter zu werden und das im Grunde in jeder dieser Beziehung immer eine große gesellschaftliche Kritik an Frauen herangetragen wird weil Man kann diesen, also die Ansprüche an Frauen sind halt nicht... Also man kann den nicht entsprechen.

00:27:29: Es ist nicht möglich in keiner Realität

00:27:31: zu sagen.

00:27:34: Du sprichst da jetzt von der reproduktiver Gerechtigkeit?

00:27:38: Darüber haben wir noch gar nicht gesprochen und das ist ein großer Begriff, den wahrscheinlich viele noch gar nie kennen eventuell.

00:27:44: Magst du den nochmal erklären und vielleicht auch Ich weiß es ist immer so eine große Frage, aber wie wir da hinkommen können.

00:27:49: Vielleicht ist das genau dieses was wir gerade schon angesprochen haben dass man sich bewusster macht, dass man nicht nur für eigene Kinder verantwortlich ist sondern auch für andere Kinder, dass es Systeme gibt in denen das besser laufen kann und so weiter und sofort ist.

00:28:01: vielleicht ist ja schon ein Schritt In die richtige Richtung wie man reproduktive Gerechtigkeit erzeugen kann.

00:28:06: Aber vielleicht als am Anfang nochmal Was genau ist das?

00:28:09: Und wie kommen wir dahin?

00:28:11: Ja also ReproduktivGerechtigkeit ist eigentlich eine Debatte, die in den Neunzigerjahren in den USA durch schwarze Aktivistinnen und AkademikerInnen erfunden wurde um ihre eigenen Lebensrealitäten in den Mittelpunkt der Debatte über sexuelle Selbstbestimmung zurück.

00:28:35: Weil diese Fokussierung auf Schwangerschaftsabbrüche allein auch ihnen nicht ausgereicht hat und sie das bisschen geöffnet haben, diese Debatte um intersektionale Perspektiven.

00:28:53: Und daraus ist eben das entstanden, dass wir jetzt heute davon sprechen, dass reproduktive Gerechtigkeit nicht nur um den bedingungslosen Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen umfasst sondern auch Kinder zu bekommen und sie frei von Gewalt- und Diskriminierung aufzuziehen, um es mal kurz zusammenzufassen.

00:29:18: Und das ist eine sehr, sehr notwendige Debatte auch hier bis heute.

00:29:27: Wie wir da hinkommen, ist natürlich eine sehr große Frage aber ich glaube es gibt so ein paar Missstände, über die wir definitiv jetzt schon diskutieren können und die sich auch ändern könnte.

00:29:43: Wie zum Beispiel eine Diskussion darüber wie ich vorhin auch gesagt hatte?

00:29:49: Wie gehen wir denn miteinander überhaupt um?

00:29:52: Wie sehen mehr andere Menschen?

00:29:54: Wie betrachten wir sie?

00:29:55: sind das für uns einfach andere auf einem Spielfeld, von dem wir auf irgendeiner Weise profitieren könnten.

00:30:03: Oder sind wir Menschen die auch irgendwie durchaus verbunden sind?

00:30:11: Und sind wir ein Team oder ist jeder für sich allein sozusagen?

00:30:17: und ich finde das eine sehr notwendige Diskussion um klar zu machen was fehlt uns überhaupt in dieser Gesellschaft Und wie könnten wir dann unsere Probleme lösen?

00:30:33: Also ich finde, dass wir auch nicht ausreichend über unsere Probleme sprechen.

00:30:39: Weil es einfach keine Grundlage dafür gibt.

00:30:41: irgendwie, wirst du von jeder Seite gefühlt total angegriffen dafür dass Du über strukturelle Probleme sprechen möchtest weil Du ja nicht rumheulen sollst.

00:30:53: Weil Du Dich Nicht beschweren sollst, weil Du das alles irgendwie über dich ergehen lassen sollst.

00:30:58: Warum?

00:30:59: Weil das bisher auch so war schon immer so war angeblich Und die vorigen Generationen, das irgendwie auch schon durchgezogen haben und die das auch irgendwie geschafft haben.

00:31:11: Aber das ist doch eigentlich super dass die kommenden Generation eben nicht dieselben Probleme haben sollen wie die ihrer Eltern und Großeltern.

00:31:21: also ich verstehe auch nicht warum diese Lebensfeindlichkeit Aber auch dieses sich festbeißen an eine alte Zeit oder an alte Strukturen und Zustände, die angeblich doch so gut sein sollen wie wir.

00:31:42: Aber irgendwie leiden mir ja mehrheitlich drunter.

00:31:45: Also das ist wirklich in meiner Wahrnehmung total verkehrt Und ich finde dass die deutsche Gesellschaft es wirklich bitter nötig hat darüber zu sprechen, wie wir es wirklich schaffen als Gesellschaft uns voneinander verantwortlich zu fühlen.

00:32:04: Und wenn das dann passiert Wenn sich die weiße Mehrheitsgesellschaft in Anführungszeichen für muslimische als muslimisch gelesene Für schwarze für transgeschlechtliche für anderweitig queere Personen und für chronisch kranke und behinderte personen für arme menschen verantwortlichen fühlt Dann wäre ein positiver gesellschaftlicher Wandel unvermeidbar.

00:32:30: Ich würde sagen, das sind eigentlich schon sehr schöne Abschlussworte.

00:32:34: Vielen Dank dir!

00:32:35: Vielen Dank für die Einladung und fürs Gespräch liebe Frieda.

00:32:38: Es war mir eine Freude und ich hoffe dass

00:32:40: wir uns bald wiedersehen.

00:32:41: Und auch vielen dank allen Zuhörerinnen und Zuhören.

00:32:44: wie immer auf Wiederhören

00:32:47: Das war Literaturhaus Bremen der Podcast.

Über diesen Podcast

Der Podcast, der das literarische Leben in Bremen und dessen Vielfalt anschaulich, nachvollziehbar, erlebbar macht. Die Stadt hat in den vergangenen Jahren viel erreicht und ist zum Freihafen des literarischen Wortes avanciert, in dem Diversität den Ton angibt. Dazu gehören nicht nur AutorInnen, sondern auch die unterschiedlichsten Lesegenerationen, die BuchhändlerInnen der Stadt, die Verlage sowie sämtliche Einrichtungen, die sich die Vermittlung literarischer Inhalte, Themen und Ausdrucksformen zur Aufgabe setzen. Wir wollen zeigen, dass all die genannten Perspektiven zusammengenommen und für Diversität, Austausch und Diskurs stehen. In einem lockeren Gesprächsformat, offen, persönlich und neugierig auf die Vielfalt des Literaturbetriebs.

von und mit Literaturhaus Bremen

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